Illusion der gleichen Farben

Das Schachbrett im Bild hat hell- und dunkelgraue Quadrate. Eine grüne Röhre, die auf dem Brett steht, wirft einen Schatten. Auf einem dunklen Quadrat ist ein Buchstabe A und im Schatten ein Buchstabe B auf einem hellen Quadrat. Die Frage lautet, ob die beiden Quadrate A und B dieselbe Farbe haben.

Bildcredit: Edward H. Adelson, Wikipedia

Sind die Quadrate A und B gleich gefärbt? Ja! Man sieht das, wenn man entweder den Mauspfeil über das Bild schiebt oder hier klickt. Dann werden die Felder verbunden. Die optische Täuschung ist ein Beispiel für Illusionen der Farbgleichheit. Sie zeigt, dass die menschliche Beobachtung in der Wissenschaft zu nicht eindeutigen oder falschen Ergebnissen führen kann. Das passiert auch bei scheinbar unmittelbaren Dingen, zum Beispiel wie man Farbe wahrnimmt.

Ähnliche optische Täuschungen gibt es auch am Himmel. Ein Beispiel ist die Größe des Mondes am Horizont oder die scheinbare Form astronomischer Objekte. Seit automatische reproduzierbare Messinstrumente wie CCDs aufgekommen sind, sind die Wissenschaft im Allgemeinen und die Astronomie im Besonderen weniger anfällig für – obschon nicht frei von – Täuschungen, die von der menschlichen Wahrnehmung beeinflusst sind.

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Der Große Wagen über dem Pyramidenberg

Eine Landschaft mit hohen Bergen in der Ferne und immergrünen Bäume in der Nähe. Oben ist ein sternenklarer Himmel, an dem die Sterne des Großen Wagens leicht erkennbar sind. Ein Rollover-Bild beschriftet die Namen der Sterne des Großen Wagens.

Bildcredit und Bildrechte: Steve Cullen

Seit wann kennt ihr diese Sterngruppe? Sie ist zwar in vielen Kulturen auf der ganzen Erde als Sternbild bekannt. Doch sie verbinden den Asterismus mit ganz verschiedenen Merkhilfen oder folkloristischen Geschichten: In den USA ist er als Große Schöpfkelle bekannt. In Großbritannien nennt man ihn Pflug, in Frankreich Kasserolle und im deutschen Sprachraum Großer Wagen.

Die sieben Sterne sind allerdings kein offizielles Sternbild. Sie gehören zu einer viel größeren Figur. Der Name, der 1922 von der Internationalen Astronomischen Union festgelegt wurde, ist Große Bärin (Ursa Major; Anmerkung zur deutschen Übersetzung: „Der Bär“ wäre im Lateinischen „ursus“). Die anerkannten Namen der Sterne sind von links nach rechts: Alkaid, Mizar und Alkor, Alioth, Megrez, Phecda, Merak und Dubhe.

Selbstredend sind die Sterne in jedem denkbaren Sternbild in den meisten Fällen nicht physisch miteinander verbunden. Daher überrascht es, dass die meisten Sterne des Großen Wagens anscheinend in dieselbe Richtung durchs All pflügen. Diese Eigenschaft teilen sie sogar mit weiteren Sternen in einem noch größeren Feld am Himmel.

Die gemessene gemeinsame Bewegung (als Sternstrom) legt nahe, dass sie doch lose zusammengehören und einen nahen Sternhaufen bilden. Man schätzt, dass dieser Sternhaufen nur ungefähr 75 Lichtjahre entfernt ist. Sein Durchmesser beträgt bis zu 30 Lichtjahre. Der Haufen ist als Ursa-Major-Gruppe bekannt. Mit „Gruppe“ ist „gemeinsame Bewegung“ gemeint. Dieses Bild zeigt die ikonische Sternformation über dem Pyramidenberg im kanadischen Alberta.

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Ein Staubstrahl auf der Oberfläche des Kometen 67P

Auf der rauen Oberfläche des Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko ist im Vordergrund ein heller Ausbruch an Staub und Gas zu sehen.

Bildcredit: ESA, Rosetta, MPS, OSIRIS; UPD/LAM/IAA/SSO/INTA/UPM/DASP/IDA

Woher kommen Komentenschweife? Nichts in einem Kometenkern erscheint als denknotweniger Entstehungsort für die Strahlströme, die die Kometenschweife generieren. Dennoch gelang der ESA-Raumsonde Rosetta 2016 nicht nur die Aufnahme eines solchen Jets aus dem Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko, sondern auch ein Durchflug.

Das heutige Weltraumbild ist das sagenhafte Foto, das die helle Rauchfahne zeigt, die an einer kleinen runden Klippe entsteht. Sie wird auf einer Seite von einer 10 Meter hohen Wand an der Ausdehnung in einer Richtung gehindert. Analysen der Rosetta-Daten zeigen, dass der Strahl aus Staub und Wassereis bestand. Das schroffe, aber sonst eher unauffällige Terrain zeigt, dass dort wahrscheinlich tief unter der porösen Oberfläche die Rauchfahne entstand.

Das Bild entstand etwa zwei Monate vor Ende der Rosetta-Mission. Das war zwei Monate, bevor die Sonde zum kontrollierten Absturz auf die Kometenoberfläche gebracht wurde.

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Kleiner Planet mit Polarlicht

Mitten im Bild schwebt ein kleiner Planet, auf dem ein paar Menschen stehen. Links unten und oben ragen Berge über den Horizont. Links oben fällt ein Wasserfall in einen Fluss, der nach rechts fließt. Rechts leuchtet helles Licht. Rund um den Planeten leuchten starke Polarlichter.

Bildcredit und Bildrechte: Victor Lima

Dieser schroffe kleine Planet ist in ein unheimliches grünes Licht getaucht. Anscheinend gibt es dort atemberaubende Wasserfälle und einen unglaublich hohen Berg. Der Planet ist natürlich die Erde. In der Nacht vom 9. November 2023 entstand dieses 360°-Mosaik mit einer Digitalkamera in der Bergregion Kirkjufell, die im Westen von Island liegt. Das Bild ist auf den Nadir zentriert.

Schleier eines schimmernden Polarlichts beleuchten den Sternhimmel blassgrün. Die Polarlichter heißen im Norden auch Nordlichter oder Aurora Borealis. Ein starkes Polarlicht entsteht durch erhöhte Sonnenaktivität. Anfang November schüttelte ein Sonnensturm die Magnetosphäre der Erde durch und verursachte einen starken geomagnetischen Sturm.

Der Berg Kirkjufell ist oben am kreisrunden Horizont dieser stereographischen Projektion. Wer auf der nördlichen Halbkugel lebt, erkennt vermutlich vertraute Sternmuster, z.B. den Großen Wagen über der Spitze des Kirkjufell. Rechts unten leuchten der kompakte Sternhaufen der Plejaden und der Riesenplanet Jupiter am Nachthimmel des kleinen isländischen Planeten.

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Susanne M. Hoffmann

Susanne M. Hoffmann
  • Astronomin mit akademischem Hintergrund an zwei Fakultäten (naturwissenschalftlich, philosophisch), Studienfächer: Physik und Wissenschafts- u. Technikgeschichte.
  • international tätig, geboren in Berlin, aber in verschiedenen Ländern gearbeitet, u.a. 2005-2008 Mauretanien/ Portugal, 2015/6 Österreich, 2017 Indonesien, 2022 Ägypten, 2023 Israel, 2024 China…
  • seit 1996 Lehrproben Astronomie u.a. NaWi für Schule (Gymnasium), Museum, Sternwarte
  • seit 1998 geprüfte „Astronomin für Öffentlichkeitsarbeit“, Planetarierin (Technik und Inhalt), außerschulische Jugendarbeit in Astronomie, Museumsführungen, Reiseleitungen, populärwissenschaftliche Fachvorträge – z.B. in Planetarien
  • seit 2007 eigenes Blog bei den SciLogs (Spektrum Verlag, Heidelberg)

Neueste Beiträge:

  • Das Ungeheuer vom unheimlichen Berg zerfällt
    Im Kopf dieses interstellaren Monsters ist ein Stern, der es langsam zerstört. Das große Ungeheuer ist eigentlich eine unbeseelte Sammlung an Säulen aus Staub und Gas. Es ist Lichtjahre lang. Im Kopf ist ein Stern, den man durch den opaken interstellaren Staub nicht direkt sieht. Er ist ein Herbig-Haro-Objekt.
  • Blick auf die Milchstraße
    Glitzern manchmal Sterne in den Augen? Links im Bild ist ein Auge, bei dem das so scheint. Dabei blickt es auf noch mehr Sterne. Es wurde 2019 bei den Ojas de Salar in der chilenischen Atacama aufgenommen. Das „Auge“ ist eine kleine Lagune. Sie spiegelt das Licht des dunklen Nachthimmels.
  • NGC 602 und dahinter
    Die Wolken erinnern an eine Auster und die Sterne an Perlen. Aber schaut genau hin! Der Blick geht zu den Rändern der Kleinen Magellanschen Wolke. Sie ist eine Satellitengalaxie der Milchstraße und ist etwa 200.000 Lichtjahre entfernt. Dort liegt der Sternhaufen NGC 602, der 5 Millionen Jahre jung ist.

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