Die Weite des Gum-Nebels

Eine weiße kosmische Wolke füllt das Bild in Graustufen. Es ist ein Nebel, der so nahe ist, dass wir ihn nur mit Mühe erkennen.

Bildcredit und Bildrechte: John Gleason

Der Gum-Nebel ist nach dem australischen Astronomen Colin Stanley Gum (1924-1960) benannt, der kosmische Wolken jagte. Er ist so groß und so nahe, dass man ihn nur schwer erkennen kann. Wir sind nur etwa 450 Lichtjahre vom vorderen Rand der interstellaren Weite aus leuchtendem Wasserstoff entfernt und 1500 Lichtjahre vom hinteren Rand.

Dieses einfarbige Mosaik ist mehr als 40 Grad breit. Es entstand aus H-alpha-Bildern und zeigt die blasse Emissionsregion vor den Sternen in der Milchstraße. Der komplexe Nebel gilt als Supernovaüberrest. Er ist älter als eine Million Jahre und breitet sich in den südlichen Sternbildern des Schiffes Segel (Vela) und Achterdeck (Puppis) aus. Dieses Weitwinkelbild erkundet auch viele Objekte, die im Gum-Nebel eingebettet sind. Dazu gehört auch der jüngere Vela-Supernovaüberrest.

Zur Originalseite

NGC 6960 – der Hexenbesen

Ein bläulicher Nebel mit roten wolkigen Strukturen verläuft wie ein Wasserfall diagonal durchs Bild. Im Hintergrund sind zarte Sterne dicht verteilt.

Bildcredit und Bildrechte: Martin Pugh (Heaven’s Mirror Observatory)

Vor zehntausend Jahren, lange bevor die Geschichte aufgezeichnet wurde, strahlte plötzlich ein neues Licht am Nachthimmel auf. Ein paar Wochen später verblasste es wieder. Heute wissen wir, dass es von einer Supernova stammte. Das ist ein Stern, der explodierte. Von der Supernova blieb eine Trümmerwolke zurück, die sich ausdehnt. Wir nennen sie Schleiernebel.

Diese scharfe Ansicht entstand mit Teleskop. Sie ist auf einen westlichen Ausschnitt des Schleiernebels zentriert, der als NGC 6960 katalogisiert ist. Weniger formell kennt man ihn als Hexenbesennebel. Die interstellare Stoßwelle von der heftigen Explosion pflügt durch den Raum. Sie fegt interstellare Materie auf und regt sie an. Die leuchtenden Fasern wurden mit Schmalbandfiltern abgebildet. Sie sind wie lange Wellen in einem Tuch, das wir fast genau von der Seite sehen. Im Nebel sind atomarer Wasserstoff (rot) und Sauerstoff (blau-grün) auffallend gut aufgeteilt.

Der ganze Supernovaüberrest ist etwa 1400 Lichtjahre entfernt und liegt im Sternbild Schwan. Der Hexenbesen ist ungefähr 35 Lichtjahre groß. Der helle Stern im Bild ist 52 Cygni. An einem dunklen Ort sieht man ihn mit bloßem Auge. Es gibt aber keinen Zusammenhang mit dem urzeitlichen Supernovaüberrest.

Zur Originalseite

Sharpless 249 und der Quallennebel

Mitten im Bild leuchten rote Nebel. Rechts unten ist ein rundes Gebilde, das an eine Qualle erinnert. Nach links oben breitet sich ein diffuser Nebel aus. Der Raum rundherum ist dicht mit kleinen Sternen gespickt. Zwei hellere Sterne leuchten links und rechts neben den roten Nebelwolken.

Bildcredit und Bildrechte: Albert Barr

Dieses Teleskopbild zeigt den Quallennebel. Er ist normalerweise blass und schwer fassbar. Die Szene in der Mitte ist rechts und links an den beiden hellen Sternen My und Eta Geminorum verankert. Sie liegen am Fuß der himmlischen Zwillinge.

Der Quallennebel ist der helle Emissionsbogen, an dem Tentakel baumeln. Die kosmische Qualle gehört zum blasenförmigen Supernovaüberrest IC 443. Er ist die Trümmerwolke eines explodierten massereichen Sterns, die sich ausdehnt. Das Licht der Explosion erreichte erstmals vor mehr als 30.000 Jahren den Planeten Erde.

Die Qualle hat einen Cousin in astrophysikalischen Gewässern. Es ist ein Supernovaüberrest, der Krebsnebel genannt wird. Dieser enthält – wie auch der Quallennebel – einen Neutronenstern. Das ist der Rest eines kollabierten Sternkerns. Links oben füllt der Emissionsnebel Sharpless 249 das Feld. Der Quallennebel ist ungefähr 5000 Lichtjahre entfernt. In dieser Distanz wäre das Bild etwa 300 Lichtjahre groß.

Zur Originalseite

Katalogeintrag Nummer 1

Sechs Bildfelder zeigen erste Einträge in bekannten astronomischen Katalogen. Die Reihenfolge ist chronologisch. Links oben ist der bekannte Krebsnebel M1.

Bildcredit und Bildrechte: Bernhard Hubl (CEDIC)

Jede Reise beginnt mit einem ersten Schritt und jeder Katalog hat einen ersten Eintrag. Die Bildfelder sind – von links oben nach rechts unten – chronologisch nach der Erstveröffentlichung sortiert. Sie zeigen die ersten Einträge sechs bekannter Deep-Sky-Kataloge.

Der erste Eintrag in Charles Messiers Katalog aus dem Jahr 1774 ist das berühmte kosmische Krustentier M1, der Krebsnebel. Er ist ein bekannter Supernovaüberrest. J.L.E. Dreyers (nicht so neuer) New General Catalog (NGC) wurde 1888 veröffentlicht. NGC 1 ist eine Spiralgalaxie im Pegasus. Sie ist im nächsten Bildfeld gezeigt. Im selben Bild befindet sich darunter eine weitere Spiralgalaxie. Sie ist als NGC 2 katalogisiert. IC 1 in Dreyers nachfolgendem Index Catalog (IC, nächstes Bildfeld) ist jedoch ein blasser Doppelstern.

Der Dunkelnebel Barnard 1 liegt im Perseus-Molekülwolkenkomplex. Er eröffnet die untere Reihe mit einem Katalog dunkler Markierungen am Himmel, den E.E. Barnard 1919 veröffentlichte. Abell 1 ist ein ferner Galaxienhaufen in Pegasus aus George Abells Catalog of Rich Clusters of Galaxies aus dem Jahr 1958. Das letzte Bild zeigt vdB 1 aus Sidney van den Berghs Studien im Jahr 1966. Der hübsche blaue galaktische Reflexionsnebel liegt im Sternbild Kassiopeia.

Zur Originalseite

RCW 114: Drachenherz im Altar

Hinter vielen kleinen, spitzen Sternen breitet sich eine gewölbte rote Wolke aus, die in der Mitte eine Höhlung hat. Die Wolke hat stark ausgeprägte Ranken und Fasern.

Bildcredit und Bildrechte: Andrew Campbell

Diese große kosmische Wolke ist als RCW 114 katalogisiert. Ihre Form wirkt dramatisch und gefasert. Sie liegt im südlichen Sternbild Altar. Am Himmel des Planeten Erde ist sie mehr als sieben Grad breit, das sind 14 Vollmonde nebeneinander. Trotzdem ist es schwierig, sie abzubilden. Dieses Mosaik entstand mit einem Teleskop. Dazu fotografierte man die vielsagenden rötlichen Emissionen der ionisierten Atome von Wasserstoff.

Man fand heraus, dass RCW 114 der Überrest einer Supernova ist. Das ist die finale Explosion eines massereichen Sterns. Dabei entstand eine Stoßwelle, die sich immer noch ausdehnt. Sie fegt die umgebende interstellare Materie auf. So kam es zu den langen, faserartigen Emissionen.

Nach guten Schätzungen ist die Wolke mehr als 600 Lichtjahre entfernt. Somit hat sie einem Durchmesser von etwa 100 Lichtjahren. Das Licht der Supernovaexplosion, bei der RCW 114 entstand, erreichte die Erde also vor rund 20.000 Jahren. Kürzlich erkannte man einen Pulsar – das ist ein rotierender Neutronenstern – als Überrest des kollabierten Sternkerns.

Zur Originalseite

M1: Der unglaubliche expandierende Krebs

Die verworrenen Fasern des Krebsnebels M1 sind rot abgebildet, sie umhüllen einen grauen Nebel. M1 ist von vielen Sternen umgeben, der Hintergrund ist schwarz.

Bildcredit und Bildrechte: Detlef Hartmann

Der Krebsnebel ist als M1 katalogisiert. Er ist der erste Eintrag auf Charles Messiers berühmter Liste von Dingen, die keine Kometen sind. Inzwischen ist die Krabbe als Überrest einer Supernova bekannt. Das ist eine Trümmerwolke von der Explosion eines massereichen Sterns, die sich ausdehnt.

Die gewaltsame Entstehung des Krebses wurde im Jahr 1054 beobachtet. Heute ist der Nebel ungefähr 10 Lichtjahre groß. Er expandiert immer noch mit mehr als 1000 Kilometern pro Sekunde. In den letzten 10 Jahren beobachtete man seine Expansion. Sie ist auf diesem faszinierenden Zeitraffervideo zu sehen.

Von 2008 bis 2017 entstand jedes Jahr an einer ferngesteuerten Sternwarte in Österreich mit demselben Teleskop samt Kamera ein Bild. Diese 10 Bilder wurden zu einem Zeitrafferfilm kombiniert. Die Belichtungszeit beträgt insgesamt 32 Stunden. Die scharfen Einzelbilder wurden bearbeitet. Sie zeigen sogar die dynamische Strahlung im Inneren.

Der Krebsnebel ist etwa 6500 Lichtjahre entfernt und liegt im Sternbild Stier.

Zur Originalseite

Cassiopeia A wiederverwerten

Die verworrene leuchtende runde Wolke im Bild ist der Überrest einer Supernova. Er ist als Cassiopeia A bekannt. Das Bild wurde mit dem Röntgenobservatorium Chandra im Weltraum aufgenommen.

Bildcredit: NASA, CXC, SAO

Die massereichen Sterne in der Milchstraße haben eine spektakuläre Existenz. Erst kollabieren sie aus riesigen kosmischen Wolken. Dann zünden ihre Kernbrennöfen. Durch Kernfusion entstehen im Inneren schwere Elemente. Nach ein paar Millionen Jahren explodiert das angereicherte Material und wird in den interstellaren Raum gesprengt. Dort kann die Sternbildung von Neuem beginnen.

Diese expandierende Trümmerwolke ist als Cassiopeia A bekannt. Sie ist ein Beispiel für diese Schlussphase im stellaren Zyklus. Das Licht der Explosion, die diesen Überrest einer Supernova erzeugte, war erstmals vor etwa 350 Jahren am Himmel des Planeten Erde zu sehen. Doch das Licht brauchte etwa 11.000 Jahre, um zu uns zu gelangen.

Dieses Bild ist in Falschfarben dargestellt. Es stammt vom Röntgen-Observatorium Chandra und zeigt die Fasern und Knoten im Überrest Cassiopeia-A, die noch heiß sind. Die energiereiche Strahlung bestimmter Elemente wurden farbcodiert. Silizium ist rot gefärbt, Schwefel ist gelb, Kalzium grün und Eisen violett. So erkennt man die Wiederverwertung von Sternenstaub in unserer Galaxis besser. Die Explosionswelle breitet sich immer noch aus. Es ist der blaue äußere Ring.

Das scharfe Röntgenbild ist in der geschätzten Entfernung von Cassiopeia A etwa 30 Lichtjahre breit. Nahe der Mitte ist ein heller Fleck. Es ist ein Neutronenstern, also der unglaublich dichte kollabierte Überrest des massereichen Sternkerns.

Zur Originalseite

Williamina Flemings dreieckiges Büschel

Williamina Flemings dreieckiges Büschel ist ein Teil des Schleiernebels im Sternbild Schwan. Der Nebel besteht aus roten und blauen Fasern, die farblich streng getrennt sind.

Bildcredit und Bildrechte: Sara Wager

Diese wirren Fasern aus komprimiertem leuchtendem Gas wirken chaotisch. Sie gehören zum Schleiernebel, der sich am Himmel über der Erde im Sternbild Schwan ausdehnt. Der Schleiernebel ist ein großer Überrest einer Supernova. Das ist eine Wolke, die bei der finalen Explosion eines massereichen Sterns entstanden ist und sich ausdehnt. Das Licht der Supernova-Explosion erreichte die Erde wohl vor mehr als 5000 Jahren. Bei dem vernichtenden Ereignis wurden interstellare Stoßwellen hinaus gesprengt. Diese pflügen durch den Raum und fegen interstellare Materie auf. Das Material wird dabei angeregt und beginnt zu leuchten.

Die leuchtenden Fasern sind eigentlich lange Wellen in einer Art Tuch, das wir von der Seite sehen. Das Leuchten der ionisierten Wasserstoffatome ist rot abgebildet, Sauerstoffatome sind blau dargestellt. Diese Bereiche sind auffallend gut getrennt. Der Schleiernebel wird auch als Cygnusbogen genannt. Er ist fast 3 Grad breit, das sind etwa 6 Durchmesser des Vollmondes. Seine Entfernung wird auf 1500 Lichtjahre geschätzt. In dieser Distanz ist der Schleiernebel mehr als 70 Lichtjahre breit. Das Sichtfeld zeigt weniger als ein Drittel dieser Breite.

Die komplexen Fasern sind als NGC 6979 katalogisiert. Häufig werden sie nach einem Direktor des Harvard College Observatory als Pickerings Dreieck bezeichnet. Seine Entdeckerin ist die Astronomin Williamina Fleming. Daher kennt man den Nebel auch als Flemings dreieckiges Büschel.

Zur Originalseite