Sharpless 249 und der Quallennebel

Mitten im Bild leuchten rote Nebel. Rechts unten ist ein rundes Gebilde, das an eine Qualle erinnert. Nach links oben breitet sich ein diffuser Nebel aus. Der Raum rundherum ist dicht mit kleinen Sternen gespickt. Zwei hellere Sterne leuchten links und rechts neben den roten Nebelwolken.

Bildcredit und Bildrechte: Albert Barr

Dieses Teleskopbild zeigt den Quallennebel. Er ist normalerweise blass und schwer fassbar. Die Szene in der Mitte ist rechts und links an den beiden hellen Sternen My und Eta Geminorum verankert. Sie liegen am Fuß der himmlischen Zwillinge.

Der Quallennebel ist der helle Emissionsbogen, an dem Tentakel baumeln. Die kosmische Qualle gehört zum blasenförmigen Supernovaüberrest IC 443. Er ist die Trümmerwolke eines explodierten massereichen Sterns, die sich ausdehnt. Das Licht der Explosion erreichte erstmals vor mehr als 30.000 Jahren den Planeten Erde.

Die Qualle hat einen Cousin in astrophysikalischen Gewässern. Es ist ein Supernovaüberrest, der Krebsnebel genannt wird. Dieser enthält – wie auch der Quallennebel – einen Neutronenstern. Das ist der Rest eines kollabierten Sternkerns. Links oben füllt der Emissionsnebel Sharpless 249 das Feld. Der Quallennebel ist ungefähr 5000 Lichtjahre entfernt. In dieser Distanz wäre das Bild etwa 300 Lichtjahre groß.

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NGC 253: Staubiges Inseluniversum

Waagrechts liegt eine Galaxienscheibe im Bild, wir sehen sie von schräg oben. Sie ist von vielen Staubwolken durchzogen, ihre Spiralarme sind schwach ausgeprägt.

Bildcredit und Bildrechte: Stefano Cancelli, Paul Mortfield

Die glänzende Spiralgalaxie NGC 253 ist eine der hellsten, die wir sehen. Sie ist auch eine der staubigsten Galaxien. Wegen ihrer Erscheinung in kleinen Teleskopen nennen manche sie Silberdollargalaxie. Ein anderer Name ist Sculptor-Galaxie, weil sie im südlichen Sternbild Bildhauer (Sculptor) liegt.

Im Jahr 1783 entdeckte Caroline Herschel das staubige Inseluniversum. Sie war Mathematikerin und Astronomin. NGC 253 ist etwa 10 Millionen Lichtjahre entfernt und 70.000 Lichtjahre breit. Damit ist sie die größte Galaxie in der Sculptor-Gruppe. Diese Galaxiengruppe ist in der Umgebung unserer Lokalen Gruppe am nächsten gelegen.

Neben ihren spiralförmigen Staubbahnen steigen anscheinend Staubranken aus der Scheibe der Galaxie auf. Die Scheibe ist auf diesem scharfen Farbbild von jungen Sternhaufen und Regionen mit Sternbildung übersät. Der hohe Anteil an Staub führt zu hektischer Sternbildung. Daher bezeichnet man NGC 253 als Sternbildungsgalaxie.

NGC 253 ist auch eine starke Quelle energiereicher Röntgen- und Gammastrahlung. Wahrscheinlich stammt sie von einem massereichen Schwarzen Loch im Zentrum der Galaxie. Dieses Video zeigt eine fiktive Reise durch den extragalaktischen Raum um NGC 253.

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Kamera Orion

Die Sterne des Orion sind von bunten Schleiern umgeben. Man sieht auch die Barnardschleife, den Orionnebel und einige weitere Details.

Bildcredit und Bildrechte: Derrick Lim

Kennt ihr dieses Sternbild? Es ist eine der am leichtesten erkennbaren Sterngruppen am Himmel. Doch Orions Kultobjekte sehen mit bloßem Auge nicht so bunt aus, wie wenn man sie mit einer Kamera fotografiert.

Dieses Mosaik wurde aus 20 Bildern digital kombiniert. Der kühle Rote Riese Beteigeuze ist der hellste Stern links oben. Er hat einem starken Orangeton. In Orion befinden sich viele heiße blaue Sterne. Der Überriese Rigel rechts unten bildet ein Gegengewicht zu Beteigeuze. Rechts oben steht Bellatrix.

Die Gürtelsterne des Orion stehen in einer Reihe. Alle drei etwa 1500 Lichtjahre entfernt und entstanden in den gut erforschten interstellaren Wolken des Sternbildes. Unter Orions Gürtel ist ein rötlicher, verschwommener Fleck, der wohl ebenfalls vertraut ist. Dieses Sternbildungsgebiet ist der Orionnebel.

Die Barnardschleife sieht man mit bloßem Auge nicht. Doch auf der lang belichteten Aufnahme wirkt sie ziemlich auffällig. Sie ist ein riesiger, gasförmiger Emissionsnebel, der Orions Gürtel und Nebel umgibt. Vor mehr als 100 Jahren entdeckte der Orion-Fotopionier E. E. Barnard die Schleife.

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Chicagohenge: Äquinoktium in einer ausgerichteten Stadt

Am Ende einer orangefarben beleuchteten Straße geht die Sonne zwischen Hochhäusern unter. Die Straße ist voller Autos, in der Mitte steht eine Person.

Bildcredit und Bildrechte: Anthony Artese

Manchmal ist Chicago eine Art modernes Stonehenge. Der Weg verläuft von Osten nach Westen, und heute und an jedem Äquinoktium ist die perfekte Zeit. Dann geht die Sonne auf der ganzen Erde fast genau im Westen unter*. Daher sieht man die Sonne heute in Chicago genau hinter dem langen, äquatorial ausgerichteten Raster aus Straßen und Gebäuden untergehen. Man nennt den Raster daher #chicagohenge.

Dieses Bild zeigt Chicagohenge beim Äquinoktium Mitte September 2017. Der Blick reicht über einen Teil des Upper Wacker Drive. In vielen Städten gibt es Straßen oder andere Details, die an der Rotationsachse der Erde ausgerichtet sind. Daher ist es gut möglich, dass auch eure Lieblingsstraße von Osten nach Westen verläuft. Heute findet ihr das bei Sonnenuntergang mit einem kurzen Blick heraus.

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*Je nach Breitengrad gibt es Abweichungen. Anm. d. Übersetzerin

Die Himmelsscheibe von Nebra

Die Himmelsscheibe von Nebra ist grünlich und mit goldenen Symbolen verziert. Man erkennt einen Kreis und eine Sichel, die wahrscheinlich beide den Mond darstellen. Oben sind mehrere Sterne, vielleicht die Plejaden. Auf der ganzen Scheibe sind goldene Punkte verteilt, vermutlich sind es Sterne. Unten ist ein Bogen, vielleicht eine Sonnenbarke. Links und rechts sind Bögen (der linke ging verloren), die vermutlich der Winkelmessung dienten.

Bildcredit: Dbachmann, Wikipedia

Das ist vermutlich die älteste bekannte Darstellung des Nachthimmels. Doch was zeigt sie, und warum wurde sie geschaffen? 1999 fanden Schatzsucher die Himmelsscheibe in der Nähe von Nebra in Deutschland mit einem Metalldetektor. Sie lag zwischen mehreren Waffen aus der Bronzezeit. Das urzeitliche Artefakt ist zirka 30 Zentimeter groß. Es wurde der Aunjetitzer Kultur zugeordnet, die 1600 v. Chr. Teile von Europa bewohnte.

Die Punkte Sterne sind wahrscheinlich Sterne, und der Sternhaufen stellt wohl die Plejaden dar. Der große Kreis und die Sichel symbolisieren nach aktueller Auffassung den Mond. Der Zweck der Scheibe bleibt unbekannt. Einige Hypothesen vermuten eine astronomische Uhr, ein Kunstwerk oder ein religiöses Symbol. Ihr Wert liegt bei 8,9 Millionen Euro. Manche glauben, die Himmelsscheibe von Nebra wäre nur eine von zweien, und die zweite warte noch auf ihre Entdeckung.*

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*Dafür gibt es keine Belege; Anm. d. Übersetzerin

LRO zeigt den rotierenden Mond

Videocredit: LRO, Arizona State U., NASA

Niemand kann derzeit sehen, wie sich der Mond so dreht wie in diesem Video, denn seine Rotation ist an die Erde gebunden. Er zeigt ihr immer dieselbe Seite. Doch mit moderner digitaler Technik entstand aus vielen detaillierten Bildern des Lunar Reconnaissance Orbiters LRO ein hoch aufgelöstes virtuelles Video, das zeigt wie der Mond rotiert.

Das Zeitraffervideo beginnt mit der normalen Erdsicht des Mondes. Bald rotiert das Mare Orientale knapp unter dem Äquator ins Bild. Es ist ein großer Krater mit dunklem Zentrum, das von der Erde aus schwer zu sehen ist.

Das Video zeigt einen ganzen Mondmonat in 24 Sekunden. Man erkennt deutlich, dass sich viele dunkle Mondmeere auf der Erdseite des Mondes befinden, während auf der Rückseite hauptsächlich helle Mondgebirge vorkommen. Derzeit entwickeln vier verschiedene Länder mehr als 20 neue Mondmissionen, deren Start dieses oder nächstes Jahr geplant ist.

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M1: Die Krabbe im All

Eine helle Struktur in der Bildmitte ist von blauen und violetten Nebeln umgeben. Die Farben sind nicht echt. Zwei konzentrische Ellipsen leuchten mitten im Bild, nach links unten strömt ein heller Strahl. Er ist etwa so lang, wie die größere Ellipse hoch ist.

Bildcredit: NASA – Röntgen: CXC, Optisch: STScI, Infrarot: JPL-Caltech

Der Krebsnebel ist als M1 katalogisiert. Er ist das erste Objekt auf Charles Messiers berühmter Liste von Dingen, die keine Kometen sind. Heute weiß man, dass die Krabbe der Überrest einer Supernova ist. Sie besteht aus Resten, die bei der finalen Explosion eines massereichen Sterns übrig blieben. Sie treiben auseinander.

Das faszinierende Bild in Falschfarben kombiniert Daten der Weltraumteleskope Chandra, Hubble und Spitzer. Sie erforschen die Wolke der Trümmer in Röntgen (blau-weiß), sichtbarem Licht (violett) und Infrarot (rosarot).

Der Krebsnebel ist eines der exotischsten Objekte, das Forschende heute kennen. Innen ist ein Neutronenstern, der 30-mal pro Sekunde rotiert. Es ist der helle Punkt nahe der Bildmitte. Der kollabierte Überrest des Sternkerns wirkt wie ein kosmischer Dynamo. Er liefert die Energie für die Strahlung der Krabbe, die im gesamten elektromagnetischen Spektrum leuchtet. Der Krebsnebel ist ungefähr 12 Lichtjahre groß. Er ist 6500 Lichtjahre entfernt und steht im Sternbild Stier.

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Die Möwe und die Ente

Rote Schleifen bilden den Möwennebel, sie sind hier ausgedehnter auf anderen Bildern. Oben ist eine runde Figur, die den Kopf bildet, sie erinnert an einen Papagei.

Bildcredit und Bildrechte: Raul Villaverde Fraile

Diese Nebel erinnern an eine Möwe und eine Ente. Sie sind nicht die einzigen kosmischen Wolken, die an Flugbilder erinnern. Die beiden Gestalten fliegen durch das Sternbild Großer Hund auf einer weiten Landschaft am Nachthimmel des Planeten Erde, die fast sieben Grad breit ist.

Die ausladende Möwe oben in der Mitte besteht aus zwei markanten Emissionsnebeln. Der hellere Nebel ist als NGC 2327 katalogisiert und stellt den Kopf dar. Der diffusere Nebel IC 2177 bildet Flügel und Körper. Die Entfernung des Nebels wird auf 3800 Lichtjahre geschätzt. Daher beträgt die Flügelspanne der Möwe eindrucksvolle 250 Lichtjahre.

Die Ente schimmert rechts unten und wirkt sehr kompakt. Bei ihrer geschätzten Distanz von 15.000 Lichtjahren ist sie nur etwa 50 Lichtjahre breit. Der Entennebel ist als NGC 2359 katalogisiert. Er wird vom energiereichen Wind eines heißen Sterns in seiner Mitte aufgeblasen, der extrem viel Masse enthält. Der dicke Körper und die geflügelten Anhänge führten auch zu seinem etwas dramatischeren Eigennamen „Thors Helm„.

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