Die Sternbildungsregion S106

Vor einem dunklen Hintergrund mit lose verteilten Sternen breitet sich ein weißlich leuchtender strukturierter Nebel, der in der Mitte von einem dunklen Staubband geteilt ist. Der Nebel erinnert an einen Schmetterling.

Bildcredit: NASA, ESA, Hubble-Nachlassarchiv; Bearbeitung und Bildrechte: Brandon Pimenta

Der massereiche Stern IRS 4 beginnt, seine Flügel auszubreiten. Materie strömt aus diesem jungen Stern, der vor nur 100.000 Jahren entstanden ist. Er hat diesen Nebel mit der Bezeichnung Sharpless 2-106-Nebel (S106) gebildet. Eine große Scheibe aus Staub und Gas kreist um die Infrarotquelle 4 (IRS 4). Sie ist in Braun nahe der Bildmitte zu sehen und verleiht dem Nebel die Form einer Sanduhr oder eines Schmetterlings.

Das Gas in S106 um IRS 4 verhält sich wie ein Emissionsnebel. Es strahlt Licht ab, nachdem es ionisiert wurde. Staub, der weit von IRS 4 entfernt ist, reflektiert das Licht des Zentralsterns ist und somit ein Reflexionsnebel. Als man Bilder wie dieses genau prüfte, kamen Hunderte Brauner Zwerge mit geringer Masse zum Vorschein. Sie lauern im Gas des Nebels.

S106 ist etwa 2 Lichtjahre groß und ungefähr 2000 Lichtjahre entfernt. Er befindet sich im Sternbild Schwan (Cygnus).

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Ein riesiger Tintenfisch in der Fliegenden Fledermaus

Der blau leuchtende Tintenfischnebel Ou4 ist von einer rötlich leuchtenden Hülle umgeben. Beide Nebel liegen im Sternbild Kepheus, vielleicht sind sie sogar physikalisch miteinander verbunden.

Bildcredit und Bildrechte: Steve Cannistra (StarryWonders)

Dieser sehr blasse gigantische Tintenfisch ist als Ou4 katalogisiert. Auch am Himmel des Planeten Erde ist er sehr groß. Auf dieser Ansicht ist er zusammen mit Sh2-129 dargestellt. Sh2-129 ist auch als Fliegender Fledermausnebel bekannt. Die beiden befinden sich im königlichen Sternbild Kepheus. Das Teleskopfeld ist fast 4 Grad oder 8 Vollmonde breit. Es entstand aus Daten, die mit Breit- und Schmalbandfiltern im Laufe von insgesamt 20 Stunden Belichtungszeit aufgenommen wurden.

Der Tintenfischnebel wurde 2011 vom französischen Astrofotografen Nicolas Outters entdeckt. Seine reizvolle bipolare Form erkennt man hier an den verräterischen blau-grünen Emissionen. Sie werden von doppelt ionisierten Sauerstoffatomen abgestrahlt. Die Region Sh2-129 ist offenbar ganz von rötlichen Wasserstoffemissionen umgeben. Doch die tatsächliche Entfernung und die wahre Natur des Tintenfischnebels sind schwierig zu erkennen.

Aktuelle Forschungen zeigen vermuten, dass Ou4 innerhalb von Sh2-129 liegt. Dieser Nebel ist etwa 2300 Lichtjahre entfernt. In diesem Fall wäre Ou4 ein spektakulärer Ausfluss, der von einem Dreifachsystem heißer, massereicher Sterne gespeist wird. Die Sterne liegen fast mitten im Nebel, sie sind als HR8119 katalogisiert. Damit wäre der wahrhaft gigantische Tintenfischnebel physisch fast 50 Lichtjahre groß.

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Die Sternenblase Sharpless 308

Der Nebel im Bild wirkt wie eine zarte Seifenblase. Sie leuchtet blau und ist von vielen kleinen Sternen umgeben. Das Gebilde wird von einem Wolf-Rayet-Stern aufgebläht.

Bildcredit und Bildrechte: Kfir Simon

Diese kosmische Blase wird von den schnellen Winden eines heißen, massereichen Sterns aufgebläht. Sie ist riesig. Katalogisiert ist sie als Sharpless 2-308. Sie ist etwa 5200 Lichtjahre entfernt und liegt im Sternbild Großer Hund (Canis Major). Am Himmel bedeckt sie etwas mehr Fläche als der Vollmond. Damit ist sie in ihrer geschätzten Entfernung 60 Lichtjahre groß.

Die Blase wurde von einem massereichen Wolf-Rayet-Stern ausgehöhlt. Er ist der helle Stern mitten im Nebel. Wolf-Rayet-Sterne haben mehr als 20 Sonnenmassen. Sie befinden sich vermutlich in einer kurzen Phase vor einer Supernova in der Entwicklung massereicher Sterne. Die schnellen Winde dieses Wolf-Rayet-Sterns erzeugen den blasenförmigen Nebel, indem sie langsamere Materie aus einer früheren Entwicklungsphase auffegen und komprimieren.

Der windgetriebene Nebel ist ungefähr 70.000 Jahre alt. Die relativ blassen Emissionen im breiten Bild werden vom Leuchten ionisierter Sauerstoffatome bestimmt. Ihr Leuchten ist in blauen Farbtönen kartiert.

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Das Helle, das Dunkle und das Staubige

Das Bild ist relativ dicht mit Sternen gefüllt. Links oben leuchten rote Emissionsnebel, nach rechts unten reicht ein dunkler Nebel, der quer durchs Bild verläuft. Im ganzen Bild sind kleine blaue Reflexionsnebel verteilt.

Bildcredit und Bildrechte: Herbert Walter, CEDIC-Team

Diese farbige Himmelslandschaft ist drei Vollmonde breit, das entspricht 1,5 Grad. Sie liegt in den nebelreichen Sternfeldern in der Milchstraße im königlichen nördlichen Sternbild Kepheus. Die helle rötliche Emissionsregion Sharpless (Sh) 155 ist auch als Höhlennebel bekannt. Sie liegt links oben am Rand der massereichen Molekülwolke in einer Region, die etwa 2400 Lichtjahre entfernt ist.

Ein Teil im hellen Rand dieser kosmischen Höhle aus Gas, der etwa 10 Lichtjahre lang ist, wird vom ultravioletten Licht heißer junger Sterne ionisiert. Auf der interstellaren Leinwand sind auch reichlich blaue Reflexionsnebel verteilt. Sie werden von dichten, dunklen Staubwolken durchschnitten.

Das lange Zentrum von Lynds Dunkelnebel (LDN) 1210 verankert die Szenerie rechts unten. Die astronomische Forschung zeigt weitere dramatische Anzeichen von Sternentstehung. Dazu zählt der helle, rote Fleck Herbig-Haro (HH) 168. Die Emissionen des Herbig-Haro-Objekts unter dem hellen Höhlennebel stammen von den energiereichen Gasströmen eines neuen Sterns.

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Sharpless 249 und der Quallennebel

Das Teleskopbild zeigt links oben den Emissionsnebel Sharpless 249. Rechts unten befindet sich der kompakte Quallennebel. Er ist als IC 443 katalogisiert. Der Hintergrund ist voller kleiner Sterne. Die beiden hellen Sterne links und rechts im Bild sind My und Eta Geminorum.

Bildcredit und Bildrechte: César Blanco González

Das Teleskop-Mosaik zeigt den blassen, schwer fassbaren Quallennebel. Die hellen Sternen My und Eta Geminorum verankern die Szenerie rechts und links. Sie leuchten am Fuß der himmlischen Zwillinge. Der Quallennebel ist die helle, gebogene Emission rechts unter der Mitte. Unten baumeln seine Tentakel.

Die kosmische Qualle liegt im blasenförmigen Supernova-Überrest IC 443. Das ist die wachsende Trümmerwolke eines massereichen Sterns, der explodiert ist. Das Licht der Explosion erreichte die Erde vor mehr als 30.000 Jahren. Sein Cousin in astrophysikalischen Gewässern ist der Krebsnebel. Auch er ist der Überrest einer Supernova. Beide Nebel enthalten einen Neutronenstern. Das ist der Rest eines kollabierten Sternkerns. Der blass schimmernde Nebel links oben ist die HII-Region Sharpless 249.

Der Quallennebel ist etwa 5000 Lichtjahre entfernt. In dieser Distanz ist das Schmalband-Kompositbild etwa 300 Lichtjahre breit.

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Der Tulpennebel

Das Bild ist von einem teils ockerbraun leuchtenden Nebel und kleinen Sternen gefüllt, dazwischen ranken sich auch dunkle Staubwolken. In der Bildmitte leuchtet der blaue Tulpennebel.

Bildcredit und Bildrechte: J-P Metsävainio (Astro Anarchy)

Diese Teleskopansicht blickt die Ebene unserer Milchstraße entlang zum nebelreichen Sternbild Schwan. Nebel umrahmen eine helle Emissionsregion. Die leuchtende Wolke aus interstellarem Staub und Gas heißt landläufig Tulpennebel. Sie ist auch im Katalog des Astronomen Stewart Sharpless aus dem Jahre 1959 als Sh2-101 gelistet.

Der schöne Nebel ist etwa 8000 Lichtjahre entfernt. Er ist zirka 70 Lichtjahre groß und blüht mitten im Kompositbild. Rote, grüne und blaue Farbtöne kartieren die Emissionen ionisierter Schwefel-, Wasserstoff- und Sauerstoffatome. Von den jungen, energiereichen Sternen am Rand der Cygnus-OB3-Assoziation stammt viel Ultraviolettlicht. Es ionisiert die Atome im Tulpennebel und bringt sie zum Leuchten.

Eine der Energiequellen ist der O-Stern HDE 227018. Er ist der helle Stern neben dem blauen Bogen mitten in der kosmischen Tulpe. Der Mikroquasar Cygnus X-1 leuchtet im ganzen elektromagnetischen Spektrum. Rechts oben befindet sich die gekrümmte Stoßfront, die seine mächtige Strahlung erzeugte.

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Sh2-155: Der Höhlennebel

Links ist ein dunkler Nebel mit einem hellen Rand rechts in der Bildmitte. Dahinter leuchtet blaues Gas. Helle Sterne erhellen den Rand der Molekülwolke. So entstand ihr ockerfarbener Rand.

Bildcredit und Bildrechte: Bill Snyder (Bill Snyder Photography)

Die farbige Himmelslandschaft zeigt die staubhaltige Emissionsregion Sh2-155 aus dem Sharpless-Katalog. Es ist der Höhlennebel. Die Daten des Kompositbildes wurden mit Schmalbandfiltern aufgenommen. Sie zeigen das Leuchten ionisierter Schwefel-, Wasserstoff- und Sauerstoffatome in roten, grünen und blauen Farbtönen. Die Szene ist etwa 2400 Lichtjahre entfernt. Sie liegt in der Ebene der Milchstraße im königlichen nördlichen Sternbild Kepheus.

Die astronomische Forschung zeigt, dass die Region zwischen der massereichen Molekülwolke Kepheus B und den heißen jungen Sternen der Kepheus-OB 3-Assoziation entstanden ist. Der helle Rand aus ionisiertem interstellarem Gas wird durch die Strahlung der heißen Sterne zum Leuchten gebracht. Der helle junge Stern oben in der Mitte ist sehr markant. Durch die Strahlung entstanden Ionisationsfronten. Wahrscheinlich wurde in ihrem Inneren ein Kollaps und neue Sternbildung ausgelöst.

Die kosmische Höhle hat einen Durchmesser von mehr als 10 Lichtjahren. Das ist die passende Größe für eine Sternenschmiede.

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Ou4: Ein gewaltiger Tintenfischnebel

Vor einem dichten Sternteppich und rötlichen Nebeln ragt ein langer grüner Nebel auf, der an einen Kalmar erinnert.

Bildcredit: Romano Corradi (IAC), Nicolas Grosso, Agnès Acker, Robert Greimel, Patrick Guillout

Der tintenfischartige Nebel wirkt geheimnisvoll. Er ist blass, aber am Himmel des Planeten Erde sehr groß. Das Mosaikbild entstand aus Schmalbanddaten des 2,5-Meter-Isaac-Newton-Teleskops. Es ist etwa 2,5 Vollmonde breit und schimmert im Sternbild Kepheus.

Der Nebel wurde vor Kurzem vom französischen Astrofotografen Nicolas Outters entdeckt. Die markante bipolare Form und seine Emissionen sprechen dafür, dass er ein planetarischer Nebel ist. Das ist die gasförmige Hülle eines vergehenden sonnenähnlichen Sterns. Doch seine genaue Entfernung und sein Ursprung sind unbekannt.

Eine neue Untersuchung zeigt, dass Ou4 eigentlich in der Emissionsregion SH2-129 liegt. Sie ist etwa 2300 Lichtjahre entfernt. In dem Fall wäre der kosmische Tintenfisch der spektakuläre Materie-Ausfluss eines Dreifachsystems aus heißen, massereichen Sternen. Sie sind als HR8119 katalogisiert. Man sieht sie mitten im Nebel. Falls dem so ist, wäre dieser wahrhaft riesige Tintenfischnebel physisch fast 50 Lichtjahre groß.

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