Geister in Kassiopeia

Mitten im Nebel sind spukhafte rote Wolken verteilt, aus denen scheinbar kleine Geister aufsteigen. Über ihnen strahlt der blaue Stern Gamma Cas, der sie zum Leuchten bringt und gleichzeitig zerstört. Die Wolken sind IC 59 (links) und IC 63.

Bildcredit und Bildrechte: Alex Rodriguez

Halloween (der Abend vor Allerheiligen) ist ein besonderer astronomischer Tag. Spukhafte Schatten lauern scheinbar am Himmel des Planeten Erde. Mitten in dieser Teleskopsicht im Sternbild Kassiopeia leuchten die zurückgefegten interstellaren Wolken IC 59 (links) und IC 63. Sie wirken geisterhaft in einem kosmischen Maßstab.

Die Wolken sind etwa 600 Lichtjahre entfernt. Natürlich sind es keine Geister. Sie verschwinden langsam unter dem Einfluss der energiereichen Strahlung, die der heiße, leuchtstarke Stern Gamma Cas verströmt. Er ist der hellste bläuliche Stern im Bild. Physisch ist er nur 3 bis 4 Lichtjahre vom Nebel entfernt.

IC 63 ist etwas näher an Gamma Cas. Er leuchtet im roten H-alpha-Licht, das abgestrahlt wird, wenn Wasserstoffatome mit Elektronen rekombinieren, nachdem sie von der ultravioletten Strahlung des heißen Sterns ionisiert wurden. IC 59 ist weiter vom Stern entfernt. Er strahlt ebenfalls H-alpha-Emissionen ab. Beide Nebel leuchten auch im charakteristischen blauen Ton von Staub, der Sternenlicht reflektiert.

Das Bildfeld ist etwa 2 Grad breit. In der geschätzten Distanz der interstellaren Erscheinung sind das 20 Lichtjahre.

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Lynds Dunkler Nebel 43

Vor den Sternen der Milchstraße fliegt eine kosmische Fledermaus im Sternbild Schlangenträger. Sie scheint von innen heraus zu leuchten. Die Astronomin Beverly Lynds katalogisierte sie als LDN 43.

Bildcredit und Bildrechte: Team Ciel Austral

Der Abend vor Allerheiligen (All Hallows’ Eve) ist sicherlich ein astronomischer Feiertag. Astronominnen lieben es, am Himmel nach spuk-takulären Galaxien, Sternen und Nebeln zu suchen. Hier ist Objekt Nummer 43 aus dem Katalog Dunkler Nebel, den die Astronomin Beverly Lynds im Jahr 1962 anlegte.

Man nennt ihn liebevoll Kosmischer Fledermausnebel. Sein Gesicht sieht wie ein gruseliges fliegendes Säugetier aus. Doch Lynds Dunkler Nebel 43 ist mehr als 12 Lichtjahre breit. In der staubhaltigen interstellaren Molekülwolke entstehen Sterne. Sie glimmen in einem schaurigen Licht. Die Wolke so dicht, dass sie sich als Silhouette vor einem Hintergrund aus Sternen in der Milchstraße abzeichnet. Aufgepasst: Der kosmische Fledermausnebel ist an die 400 Lichtjahre entfernt. Er liegt im Sternbild Schlangenträger (Ophiuchus).

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Staubformen im Geisternebel

Aus einer Nebelwolke, die von hinten beleuchtet ist, ragen Gestalten auf, die an Gespenster mit erhobenen Armen erinnern. Das Bildfeld ist von Sternen gespickt. Im Bild ist VdB 141 im Kepheus dargestellt, er wird auch als Sh2-136 bezeichnet.

Bildcredit und Bildrechte: Kent Wood

Gibt es Formen in diesem interstellaren Feld aus Sternen und Staub, die ins Auge springen? Eine juwelenbesetzte Weite mit zarten Wolken, die das Sternenlicht reflektieren, schwebt durch die Nacht. Diese geisterhaften Gestalten lauern im königlichen Sternbild Kepheus. Sie liegen weit weg vom Planeten Erde in einer Entfernung von 1200 Lichtjahren. Dort findet man sie in der Ebene der Milchstraße am Rand der Molekülwolke Kepheus-Flare.

In der Mitte des Bildes ist VdB 141 oder auch Sh2-136 zu sehen. Der Nebel ist auch als Geisternebel bekannt. Er ist heller als die anderen gespenstischen Chimären und etwa 2 Lichtjahre groß. Innerhalb des Reflexionsnebels finden sich verräterische Anzeichen auf dichte, kollabierende Kerne. Sie entsprechen einem frühen Stadium der Sternentwicklung.

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NGC 6995: Der Fledermausnebel

Ein leuchtender Nebel bildet einen zerfledderten Bogen. Er ist in roten und blauen Farben dargestellt und erinnert entfernt an eine Fledermaus. Der Nebel ist als NGC 6995 katalogisiert.

Bildcredit und Bildrechte: Francis Bozon-Gangloff

Seht ihr die Fledermaus? Sie spukt in dieser kosmischen Nahaufnahme im östlichen Schleiernebel. Er ist großer Supernovaüberrest. Das ist die Trümmerwolke der finalen Explosion eines massereichen Sterns, die sich ausdehnt. Der Schleiernebel ist grob gesprochen kreisförmig. Er bedeckt am Himmel im Sternbild Schwan (Cygnus) fast 3 Grad.

NGC 6995 ist landläufig als Fledermausnebel bekannt. Er ist nur ½ Grad breit. Damit ist er scheinbar etwa gleich breit wie der Mond. In der geschätzten Distanz des Schleiers, die sichere 1400 Lichtjahre vom Planeten Erde beträgt, entspricht das 12 Lichtjahren.

Die Bilddaten für das Komposit wurden mit mehreren Schmalbandfiltern aufgenommen. Die Strahlung von Wasserstoffatomen im Überrest sind in Rot dargestellt. Dazu kommt eine starke Emission von Sauerstoffatomen in blauen Farbtönen. Im westlichen Teil des Schleiers liegt eine weitere saisonale Erscheinung: der Hexenbesennebel.

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Komet Lemmon mit zwei Schweifen

Vor dem Kometen C/2025 A6 (Lemmon) verläuft die braune, gewellte Leuchtspur eines Meteors. Dahinter ist ein Teppich voller kleiner Sterne.

Bildcredit: Massimo Penna

Wie viele helle Schweife hat Komet Lemmon? Zwei. In der Aufnahme oben könnte man meinen, dass es drei sind. Aber warum? Der Grund ist die braune Zickzacklinie. Dabei handelt es sich jedoch um die lang anhaltende Leuchtspur eines Meteors. Während der Aufnahme verlief diese Leuchtspur zufällig vor dem weit entfernten Kometen C/2025 A6 (Lemmon).

Leuchterscheinungen von Sternschnuppen werden meist als Meteore bezeichnet. Das heiße Gas und der feine Staub, die in der Erdatmosphäre verbleiben, bilden die sichtbare Leuchtspur. Diese verschwindet meist einigen Sekunden nach einem hellen Meteor.

Die zwei hellen Kometenschweife sind der blaue Ionenschweif und der weiße Staubschweif. Sie verlaufen quer durch das Bild. Die echten Kometenschweife stammen aus dem Kern des Kometen innerhalb der Koma, die hier grün leuchtet.

Die Aufnahme entstand vor einigen Tagen in Manciano in Italien. Diese Woche sieht man den Kometen Lemmon am nördlichen Himmel nach Sonnenuntergang im Nordwesten. An sehr dunklen Standorten sieht man ihn er sogar ganz schwach mit freiem Auge.

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All Hallows’ Eve und der Geisterkopfnebel

Die zwei hellen Flecken im Geisterkopfnebel sorgen dafür, dass NGC 2080 an ein Gesicht erinnert. Die schaurige Visage passt zum gruseligen Fest Halloween.

Bildcredit: NASA, ESA, Mohammad Heydari-Malayeri (Observatoire de Paris) et al.,

Der Ursprung von Halloween ist antik und astronomisch. Seit dem fünften Jahrhundert v. Chr. feiert man Halloween als Kreuzvierteltag. Er steht am Ende des Herbstes und am Beginn des Winterquartals. Dieser Tag liegt etwa in der Mitte zwischen dem Äquinoktium (gleicher Tag / gleiche Nacht) und der Sonnenwende. Auf der Nordhalbkugel ist es der kürzeste Tag mit der längsten Nacht.

Halloween findet zwar noch diese Woche zum Monatswechsel statt. Doch der wahre Quartalswechseltag ist im modernen Kalender erst eine gute Woche später. Ein anderer Kreuzvierteltag ist Mariä Lichtmess (in den USA ist es der „Murmeltiertag„). Der moderne Halloween-Brauch, bei dem man sich schaurig verkleidet, hat historische Wurzeln. Man wollte die Geister der Toten verscheuchen.

Zu diesem alten Feiertag passt das Bild des Geisterkopfnebels NGC 2080. Es wurde vom Weltraumteleskop Hubble aufgenommen. NGC 2080 sieht ähnlich aus wie ein fiktiver Geist. Doch er ist eine Region, in der Sterne entstehen, und liegt in der Großen Magellanschen Wolke, einer Satellitengalaxie der Milchstraße. NGC 2080 ist rund 50 Lichtjahre groß. Er wurde hier in repräsentativen Farben dargestellt.

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Webb zeigt Rho Ophiuchi

Mehrere helle Sterne mit langen Spitzen stehen in Staub- und Gaswolken, die rot, gelblich und bläulich leuchten.

Bildcredit: NASA, ESA, CSA, STScI, Klaus Pontoppidan (STScI)

In diesen Molekülwolken bei Rho Ophiuchi entstehen sonnenähnliche Sterne und neue Planetensysteme. In einer Entfernung von nur 390 Lichtjahren ist dies die uns am nächsten gelegene Sternentstehungsregion.

Die NIRCam an Bord des James-Webb-Weltraumteleskops fotografierte das Chaos der Entstehung. Sie nahm dieses Infrarotbild in einem beeindruckenden Maßstab auf. Das Bild zeigt weniger als ein Lichtjahr der Region um Rho Ophiuchi. Es enthält etwa 50 junge Sterne. An helleren Sternen könnt ihr deutlich das charakteristische Muster der Beugungsspitzen des Webb-Teleskops erkennen.

Riesige Strahlen aus verdichtetem molekularem Wasserstoff sind im Bild rot dargestellt. Sie schießen aus neugeborenen Sternen hervor. Ein energiereicher, junger Stern hat die große, gelbliche, staubige Aushöhlung nahe der Bildmitte geschaffen. In diesem atemberaubenden Bild sind bei einigen Sternen Schatten zu erkennen. Sie stammen von ihren protoplanetaren Scheiben.

Diese spektakuläre kosmische Schnappschuss wurde 2023 veröffentlicht. Mit ihm wurde das erfolgreiche erste Jahr der Erforschung des Universums mit dem Webb-Teleskop gefeiert.

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Saturn bei Nacht

Wir sehen auf die Nachtseite von Saturn. Oben ist der Planet sichelförmig von der Sonne beleuchtet. Sein Schatten fällt auf die Ringe, die ebenfalls im Sonnenlicht liegen. Die Cassini-Teilung ist eine markante dunkle Lücke in den Ringen.

Bildcredit: NASA, JPL-Caltech, Institut für Weltraumforschung, Mindaugas Macijauskas

Saturn ist ein heller Planet am Nachthimmel. Sein Anblick im Teleskop macht den äußeren Gasplaneten mit seinen wunderschönen Ringen oft zum Höhepunkt bei Sternführungen. Doch diese fantastische Ansicht von Saturns Ringen und seiner Nachtseite ist für keine Teleskope auf der Erde nicht möglich. Aus dem inneren Sonnensystem sehen wir nur die Tagseite von Saturn.

Dieses Bild zeigt Saturns schmale Sichel, die von der Sonne beschienen wird, und die Schatten der Nacht über seinem weiten und komplexen Ringsystem. Es stammt von der Raumsonde Cassini. 13 Jahre lang war das Raumfahrzeug, das von der Erde aus ferngesteuert wurde, in einer Umlaufbahn um Saturn. Am 15. September 2017 wurde Cassini schließlich in die Atmosphäre des Gasriesen gelenkt.

Dieses schöne Mosaik entstand aus Bildern von Cassinis Weitwinkelkamera. Sie wurden erst zwei Tage vor Cassinis endgültigem Eintauchen in Saturn aufgenommen. Wir sehen Saturns Nacht erst wieder, wenn das nächste Raumschiff von der Erde dem Planeten einen Besuch abstattet.

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