Der Adlernebel und seine Freunde

Die dunkle Wolke über einer hellen, blau schimmernden Höhlung erinnert an einen Adler, der sich mit ausgebreiteten Schwingen hinunter stürzt. Sein Schnabel zeigt auf eine winzige Struktur, die berühmten Säulen der Schöpfung. Vor dem leuchtenden Blau liegt ein Sternhaufen, der das Gas in der Umgebung ionisiert und zum Leuchten bringt.
Bildcredit und Bildrechte: Emmanuel Delgadillo; Text: Keighley Rockcliffe (NASA GSFC, UMBC CSST, CRESST II)

Was verschlingt hier scheinbar die Säulen der Schöpfung? Es ist der Adlernebel (M16). Er ist weder ein Vogel noch ein Flugzeug oder Superman. M16 kombiniert mehrere Arten von Himmelsobjekten.

NGC 6611 ist ein junger Sternhaufen, der scheinbar unter den Flügeln des Adlers hervorlugt. Das ultraviolette Licht dieser Sterne ionisiert das Gas in der Umgebung. Dabei entsteht der Emissionsnebel IC 4703. Eine Säule neigt sich von links zu den Säulen der Sternbildung. Beide Strukturen bestehen aus kaltem Gas und Staub. Sie bieten eine optimale Umgebung, in der Sterne entstehen können.

Eine frühere Theorie besagt, dass eine Supernova die Säulen der Schöpfung verdampfte. M16 ist 6000 Lichtjahren von uns entfernt. Daher könnten wir die Zerstörung der Säulen erst in Tausenden Jahren sehen. Doch es gibt keine überzeugenden Beweise für so eine Supernova. Daher entstehen vermutlich noch Millionen Jahre Sterne in den Säulen der Sternbildung.

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Hubble zeigt die Säulen des Adlernebels in Infrarot

Vor einem zarten blauen Leuchten zeichnen sich dunkle, säulenförmige Nebel ab. In den dunklen Wolken entstehen neue Sterne.
Bildcredit: NASA, ESA, Hubble, HLA; Processing: Luis Romero Ventura

Im Adlernebel entstehen neue Sterne. Sie verdichten sich unter dem Einfluss der Schwerkraft in den Säulen aus dichtem Gas und Staub und zünden dann. Durch die intensive Strahlung der neu entstandenen jungen Sterne verdampft das umgebende Material und gibt den Blick frei.

Dieses Bild entstand mit dem Weltraumteleskop Hubble im nahen Infrarot. So ist es möglich, durch einen Großteil des dichten Staubs zu blicken. Dieser macht die Säulen im sichtbaren Licht undurchsichtig. Die riesigen Strukturen sind teilweise einige Lichtjahre lang. Umgangssprachlich nennt man sie „Säulen der Schöpfung„.

Der Adlernebel ist mit dem offenen Sternhaufen M16 verbunden. Er ist ca. 6500 Lichtjahre von uns entfernt. Auch für kleine Teleskope lohnt sich dieses Ziel. Der Adlernebel liegt in einem nebelreichen Teil des Himmels im zweigeteilten Sternbild Schlange im Schlangenschwanz (Serpens Cauda).

Himmlische Überraschung: Welches Bild zeigte APOD zum Geburtstag? (ab 1995, deutsch ab 2007)

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Thackerays Globulen

Vor einem Hintergrund aus zartblau leuchtenden Gas mit rosa Streifen schweben dunkle Molekülwolken. Sie wirken wie Klumpen oder Fetzen und sind so dicht, dass darin Sterne entstehen können.
Bildcredit und Bildrechte: John Hayes

Was sind das für eigenartige Klumpen im Weltraum? Die Wolken aus interstellarem Staub sind undurchsichtig. Sie befinden sich in Regionen mit vielen Sternen und leuchtendem Wasserstoff. Diese Wolken sind so groß, dass darin Sternen entstehen können.

Die Molekülwolken schweben hier im Emissionsnebel IC 2944. Das helle Gebiet mit Sternbildung ist 5900 Lichtjahre entfernt und liegt im Sternbild Zentaur. 1950 entdeckte der südafrikanische Astronom A. D. Thackeray die größte dieser dunklen Globulen. Sehr wahrscheinlich handelt es sich dabei um zwei getrennte Molekülwolken, die sich überlappen. Jede davon ist etwa ein Lichtjahr groß.

Das Bild entstand am El-Sauce-Observatorium in Chile. Bei der Aufnahme wurden die Filter der Hubble-Palette verwendet. Wir finden im Bild Hinweise, dass die starke ultraviolette Strahlung die Thackeray-Globulen verwirbelt und auflöst. Die UV-Strahlung stammt von heißen, jungen Sternen in der Nähe. Sie erwärmt auch den hellen Emissionsnebel und bringt ihn zum Leuchten. In Gebieten mit Sternbildung gibt es häufig dunkle Globulen. Durch die starke UV-Strahlung ereilt viele ein tragisches Schicksal: Sie schmelzen wie Klumpen aus kosmischer Butter in einer heißen Bratpfanne.

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Der dunkle Wolf-Nebel

Vor einer rot leuchtenden Wolke zeichnet sich eine dunkle Form ab, die an einen Wolf erinnert. Solche dunklen Wolken sind Orte, an denen neue Sterne entstehen.
Bildcredit und Bildrechte: William Vrbasso; Text: Keighley Rockcliffe (NASA GSFC, UMBC CSST, CRESST II)

Ein dunkler Wolf liegt im Gum. Nein, das ist kein Rätsel! Das heutige Bild zeigt den dunklen Wolf-Nebel, der auch Sandqvist–Lindroos 17 heißt. Er ist eine gruselige Staubwolke im Nebel Gum 55 (RCW 113), der im Sternbild Skorpion liegt.

Staub ist für uns eine Plage. Doch er spielt eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, eine Umgebung zu schaffen, in der Sterne entstehen können. Der dunkle Wolf absorbiert das intensive ultraviolette und sichtbare Licht, das die jungen Sterne in Gum 55 abstrahlen. Später gibt er es in Form von längeren, vorwiegend infraroten Wellenlängen wieder ab. Das verhindert, dass Licht mit höherer Energie das Gas in der Region erwärmt.

Wenn eine Region aus Gas kühl genug ist, nimmt die Schwerkraft überhand. Das führt dazu, dass Gas zu einem Stern kollabiert. Nicht nur verhält sich Staub wie ein interstellarer Thermostat, er ist auch der Ort, an dem einzelne Wasserstoffatome molekularen Wasserstoff bilden. Diese Moleküle aus Wasserstoff sind die Bausteine der Sterne. Der scheinbar sinistre dunkle Wolf ist also ein Bote einer künftigen kosmische Existenz.

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NGC 2170: Der Engelnebel

Der Nebel im Bild erinnert an einen Engel. Er besteht aus Gas und Staub, das teils selbst leuchtet, teils dunkel ist oder das Licht von Sternen reflektiert.
Bildcredit und Bildrechte: Jason Marriott

Ist das ein Gemälde oder ein Foto? Diese himmlische abstrakte Kunst ist wie mit einem kosmischen Pinsel gemalt. Der staubige Nebel ist als NGC 2170 katalogisiert. Man nennt ihn auch Engelnebel. Er leuchtet rechts über der Bildmitte und reflektiert das Licht der heißen Sterne in der Nähe. Bläuliche Reflexionsnebel, rötliche Emissonsregionen, dunkle Absorptionsnebel und ein Hintergrund aus bunten Sternen begleitet NGC 2170.

Abstrakte Maler wählen oft gewöhnliche Gegenstände im Haushalt. Auch Wolken aus Gas, Staub und heißen Sternen wie in dieser Szenerie kommen zusammen vor. Sie gehören zu einer riesigen Wolke mit Sternbildung im Sternbild des Einhorns (Monoceros). Die gigantische Molekülwolke Mon R2 ist nur etwa 2400 Lichtjahre von uns entfernt. In dieser Distanz wäre die Leinwand über 60 Lichtjahre groß.

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Säulen und Strahlen im Trifid

Aus einer braunen Nebelwolke rechts ragt eine Säule, die oben abgerundet ist. Sie ist von hellen Strahlen umgeben. Dahinter leuchtet ein blauer Nebel. Oben aus der Kuppe ragt ein kleiner Fortsatz mit einem winzigen Stern an der Spitze. Nach links oben strömt ein Strahl.
Bildcredit: NASA, ESA, STScI; Bearbeitung: J. DePasquale (STScI)

Staubsäulen sind wie interstellare Berge. Sie bleiben bestehen, weil sie dichter sind als das Material, das sie umgibt. Doch die feindliche Umgebung erodiert sie langsam. Dieses Bild stammt vom Weltraumteleskop Hubble. Es zeigt die Kuppe einer riesigen Säule aus Gas und Staub im Trifidnebel (M20). Oben ragt ein kleiner Fortsatz heraus. Dahinter strömt ein ungewöhnlicher Strahl nach links oben.

Viele der hellen Punkte sind neu entstandene Sterne. Außerhalb des oben Bildrandes liegt ein sehr heller Stern. Er raubt mit seiner Strahlung einem kleineren Stern am Ende der kleinen Säule langsam das Gas, das um ihn kreist.

Der Strahl ist ungefähr ein Lichtjahr lang. Ohne die Beleuchtung von außen würden wir ihn nicht sehen. Weil das Gas und der Staub der Säulen verdampft, wird die versteckte stellare Quelle des Strahlstroms wahrscheinlich in den nächsten 20.000 Jahre freigelegt.

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CG 30: Kometenartige Globulen

Diese dunklen Globulen aus Staub strömen vom Vela-Supernovaüberrest fort. Sie sind dunkel und von rot leuchtendem Gas umgeben. Der Hintergrund ist von Sternen gesprenkelt.
Bildcredit und Bildrechte: Marcelo Salemme

Sie erinnern an Bergspitzen, doch sie bilden gerade Sterne. Das Gebiet ist reich an Sternen. Es liegt am Rand der südlichen Sternbilder Segel und Achterdeck des Schiffs. Helle, fließende Formen mit roten Rändern sammeln sich in der Mitte. Diese Ansammlung aus interstellarem Gas und Staub besteht aus kometenartigen Globulen. Alle sind etwa ein Lichtjahr groß und ungefähr 1300 Lichtjahre von uns entfernt.

Das energiereiche ultraviolette Licht heißer Sterne in der Nähe formt diese Globulen. Es ionisiert ihre Ränder und bringt sie zum Leuchten. Gleichzeitig strömen die Globulen vom Vela-Supernova-Überrest weg. Das führte möglicherweise zu ihren zurückgefegten Formen. In ihrem Inneren stürzen wahrscheinlich kalte Gas- und Staubkerne zusammen. Dabei entstehen Sterne mit geringer Masse. Wenn diese Sterne zu leuchten beginnen, lösen sie schließlich die Globulen auf.

Die kometenartige Globule CG 30 liegt in der Gruppe rechts oben. In ihrem Kopf ist ein kleines rötliches Leuchten. Es ist ein typisches Zeichen für die energiereichen Strahlströme eines Sterns, der gerade erst entsteht.

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Das Ungeheuer vom unheimlichen Berg zerfällt

Aus dem Kopf und an mehreren Teilen des Körpers verströmen unsichtbare Sterne Strahlen. Man nennt sie Herbig-Haro-Objekte. Die neuen Sterne zerstören zugleich das Staubmonster, das hier vom Weltraumteleskop Hubble abgebildet wurde.
Bildnachweis: Hubble, NASA, ESA; Bearbeitung und Lizenz: Judy Schmidt

Im Kopf dieses interstellaren Monsters ist ein Stern, der es langsam zerstört. Das große Ungeheuer ist eigentlich eine unbeseelte Sammlung an Säulen aus Staub und Gas. Es ist Lichtjahre lang. Im Kopf ist ein Stern, den man durch den opaken interstellaren Staub nicht direkt sieht. Doch er bricht teilweise aus. An gegenüber liegenden Seiten stößt er Strahlen aus energiereichen Teilchen aus. Man bezeichnet sie als Herbig-Haro-Strahlen.

Diese Säulen sind etwa 7.500 Lichtjahre entfernt und liegen im Carina Nebel. Umgangssprachlich nennt man sie „Mystic Mountain“ (Geheimnisvoller Berg). Optisch werden sie von dunklem Staub geprägt. Doch sie bestehen größtenteils aus klarem Wasserstoff.

Dieses Bild stammt vom Weltraumteleskop Hubble. Überall an diesen Säulen sind massereiche, neue Sterne verteilt. Sie verströmen energiereiches Licht und Sternwinde. Damit verdampfen und zerstreuen sie die staubigen Gebiete, in denen sie entstanden sind. In ein paar Millionen Jahre ist der Kopf dieses Riesen und der größte Teil seines Körpers vollständig verdampft. Dafür sorgen die Sterne im Inneren und in seiner Umgebung.

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